S 72 - Grattis Falken - 85. Geburtstag, Baujahr 1935

Anfang des 20. Jahrhunderts noch exklusiver Yachtsport für Wenige, entwickelte sich Ende der 20er Jahre Segeln zum Breitensport. In den Küstenregionen Europas und Nordamerikas entstand eine Nachfrage nach preiswerten, verlässlichen Segelbooten, die ohne großte und teuere Besatzung zu Wettkampfzwecken und auch privat genutzt werden konnten. 

1928 schrieb der Königliche Göteborger Yachtclub (GKSS) einen Konstruktionswettbewerb für "ein in Serie zu bauendes, kostengünstiges Einheitsboot für die Jugend" aus. Es war "ein relativ schnelles, angemessen großes, seetüchtiges und elegantes Kielboot" gefordert. Von vier eingereichten Bewerbungen wurde der Entwurf des Norwegers Johan Anker ausgewählt, weil sein Boot sehr elegant, schnell, sicher, vor allem aber billig herzustellen (< 1.600 Skr. in Mahagony) war. Die Klasse wurde noch im selben Jahr von GKSS (Schweden), KDY (Dänemark) und KNY (Norwegen) als 20er Schärenkreuzer genehmigt.

Der Name Drachen stammt angeblich von einer wörtlichen Übersetzung des norwegischen Namens "Anker" ins Schwedische ("Draggen"). Die ISF korrigierte den vermeintlichen Schreibfehler und nannte die Bootsklasse fortan "Dragon" (Drachen). Zwischen 1930 und 1939 baute die Werft Anker + Jensen A/S ca. 40 Drachen. Im Februar 1940 wurde die Werft liquidiert. Johan Anker, der "Künstler der Linien" starb im Oktober 1940. Zwei seiner Mitarbeiter führten die Werft bis 1949 weiter.

1935 gilt als das Aubruchjahr der Drachen. Die gebauten Stückzahlen in den skandinavischen Ländern wurde zweistellig und neben Deutschland, wo der 20m² Rennkreuzer zuerst in Hamburg geschätzt und nachgebaut wurde auch England, Holland und Schottland angingen Drachen zu bauen.

1946 erhält der Drachen nach Genehmigung durch IRYU (heute ISAF) den Status eines olympischen Klassenbootes. Bei den Olympischen Spielen in München / Kiel (1972) wurde die Drachenklasse letztmals gesegelt. Danach verkauften viele Drachensegler ihre Boote und der baldige Tod dieser Klasse wurde prophezeit. Der Verlust des olympischen Status konnte die Popularität des Drachens aber nur kurzzeitig brechen. Bereits 1973 laufen beim dänischen Bootsbauer Børge Børresen die ersten GFK-Drachen vom Stapel. Jedes einzelne Teil des Holzdrachens wurde gemessen und gewogen, dann wurde in einem aufwändigen Rechenverfahren die Übertragung der Gewichtsverteilung vom ursprünglichen Holzboot auf eine GFK-Konstruktion vollzogen.